Sexuelle Funktionsstörungen

Sexuelle Funktionsstörungen – Einleitung

Bevor man sich ansieht, was man unter sexuellen Funktionsstörungen versteht, sollte man sich bewusst machen, was sexuelle Gesundheit bedeutet.

Unter sexueller Gesundheit versteht man den Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf die eigene gelebte Sexualität.

Grundlage dafür ist eine positive und respektvolle Haltung zur Sexualität und zu sexuellen Beziehungen.

Sexualität muss frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt sein.

Sexuelle Gesundheit ist die Voraussetzung für erfüllte Sexualität. Nur wenn man sich in seiner eigenen gelebten Sexualität wohl fühlt, kann man sie genießen.

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Die WHO unterscheidet 3 verschiedene Arten von sexuellen Störungen

  • Sexuelle Funtkionsstörungen & Störungen der sexuellen Entwicklung.

Hierzu zählen Erektions- und Orgasmusstörungen.

  • Störungen der Geschlechtsidentität

Menschen kommen nicht mit ihrem biologisch zugewiesenen Geschlecht zurecht. Hier spielt vor allem der große Leidensdruck, unter den die Betroffenen leiden, eine enorme Rolle.

  • Störungen der sexuellen Präferenz

Sexuelle Präferenz ist der Oberbegriff für sexuelle Vorlieben, Neigungen und Wünsche, die von der Norm abweichen.
Hier fallen sowohl die Bereiche  Sadismus, Masochismus, Fetischismus als auch die  Pädosexualität (sexuelle Neigung zu Kindern) hinein.

 

Sexuelle Funktionsstörungen – Definition

Von einer sexuellen Funktionsstörung spricht man, wenn eine Störung länger als 6 Monate auftritt und sie für denjenigen eine psychische Belastung, also einen Leidensdruck, darstellt.

Die Dauer von 6 Monaten ist hier ein wesentlicher Fakt.
Sexuelle Funktionsstörungen, die einmalig oder nur hin und wieder auftreten, sind noch keine Störung.

Gründe für einmalige sexuelle Funktionsstörungen:

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Psychisch
Hier liegen die Gründe meist in der momentanen Lebenssituation.

Steht man beruflich unter Stress und Druck?
Steht man finanziell unter Druck?
Wie ist das Familienleben? Harmonisch oder wird viel gestritten?

Fakt ist: Wenn man den Kopf nicht abschalten und sich entspannen kann, dann kann auch der Körper nicht 100% funktionieren.

Körperlich
Krankheiten können vorübergehende sexuelle Funktionsstörungen verursachen, denn sie beeinflussen die körperlichen Funktionen. Zusätzlich können auch Medikamente die Erektion beeinflussen. Hierzu empfiehlt es sich, die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel zu lesen und diese mit dem Arzt zu besprechen.
Übermüdung kann eine mögliche Ursache für eine einmalige sexuelle Funktionsstörung sein. Wenn der Körper an seine Grenzen gelangt und er sich nach Ruhe sehnt, dann funktioniert er auch nicht mehr.

 

Sexuelle Funktionsstörungen – Häufigkeit

Sexuelle Funktionsstörungen kommen ziemlich häufig vor. Meist sind sie aber nach einigen Beratungsstunden wieder verschwunden, da die Ursache durch intensive Gespräche erkannt und daran gearbeitet werden kann.

Hier die sexuellen Funktionsstörungen der Häufigkeit nach geordnet:

  1. Erektionsstörungen beim Mann
  2. sexuelle Probleme bei oder nach einer körperlichen Erkrankung
  3. Dyspareunie (Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs) der Frau
  4. Sexuelle Probleme bei Oralverkehr
  5. vorzeitige Ejakulation (ejaculatio praecox)
  6. Erregungsstörungen der Frau (Frigidität)
  7. Orgasmusschwierigkeiten der Frau
  8. sexuelle Probleme bei Kindern und Jugendlichen
  9. Homosexualität
  10. sexuelle Deviationen (Abweichungen der Norm: Pädosexualität, Fetischismus, Sado-Maso, sexueller Missbrauch)

Vielfach suchen Klienten zuerst das Gespräch mit ihrem Hausarzt. Heutzutage wird diesem Thema viel mehr Bedeutung beigemessen als noch vor ein paar Jahrzehnten. Damals war alles, was die Sexualität betraf, mit sehr viel Scham behaftet und viele trauten sich erst gar nicht, Probleme im sexuellen Bereich gegenüber ihrem Arzt zu erwähnen. Dazu kam, dass den meisten Ärzten der Allgemeinmedizin leider auch die fachliche Kompetenz fehlte und sie Patienten daher gleich an Fachärzte – meist Gynäkologen und Urologen – weiterleiteten.

 

Sexuelle Funktionsstörungen – Ursachen

Die Ursachen einer sexuellen Funktionsstörung können körperlich oder psychisch sein.

Hier nochmals der Hinweis:
Um von einer Störung zu sprechen, muss diese über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten vorliegen.

Bei körperlichen Ursachen beginnen die Probleme schleichend. Sie treten bei jeder sexuellen Handlung auf, beim Sex mit dem Partner oder bei der Selbstbefriedigung. Meist betrifft es Menschen ab dem 50. Lebensjahr.

Zuallererst sollte man über seinem Hausarzt/ Gynäkologen/ Urologen oder Andrologen anatomische, also körperliche Ursachen ausschließen.

Auch Medikamente, die man ständig einnehmen muss, wie zum Beispiel gegen hohen Blutdruck oder Psychopharmaka , können Erektionsprobleme hervorrufen. Hier kann man gemeinsam mit seinem Arzt versuchen, auf ein anderes Medikament zu wechseln, das diese Nebenwirkungen nicht auflistet.

Auch Drogen- oder Alkoholmissbrauch können sexuelle Funktionsstörungen verursachen.

Werden körperliche Ursachen ausgeschlossen, liegen diese dann im psychischen Bereich. Sexuelle Funktionsstörungen, die psychische Ursachen haben, beginnen immer abrupt und immer in bestimmten Situationen. Meist sind Menschen unter 50 Jahren davon betroffen.

Sexuelle Funktionsstörungen, die psychische Ursachen haben, sind kein Grund zum Verzweifeln, denn die meisten lassen sich durch eine Sexualberatung oder -therapie aus der Welt schaffen.

 

Appetenzstörugen (Störungen des Begehrens)

In diesem Bereich fallen alle Störungen, die mit der sexuellen Lust und Libido zu tun haben.

Lustlosigkeit

Unter sexueller Lustlosigkeit versteht man, dass jemand keine oder auch nur wenig Lust auf sexuelle Aktivitäten mit sich selbst oder mit einem Partner hat und die Person oder das Paar darunter leidet.

Lustlosigkeit hat nichts mit sexuellen Funktionsstörungen zu tun. Lustlose Menschen sind in der Lage, Erregung bis hin zum Orgasmus zu erleben, auch die Genitalien sind funktionsfähig.

Während Menschen, die alleine leben, also nicht in einer Beziehung sind, mit ihrer Unlust kein Problem haben, kann das Fehlen von sexueller Lust eines Partners in einer Beziehung zu einem großen Problem werden.

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Aber welche Ursachen hat die Lustlosigkeit?

  • Störungen der sexuellen Entwicklung
  • Psychische Ursachen
  • körperliche Ursachen

Meist ist es ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, die eine Lustlosigkeit entstehen lassen. Lustlosigkeit kann von Beginn an der sexuellen Entwicklung oder aber auch erst im Laufe des Lebens entstehen.

Viele Frauen kämpfen nach den Wechseljahren mit Unlust. Bei Männern trifft dies ebenso ab dem 60 Lebensjahr zu. Bei beiden Geschlechtern ist dies auf hormonelle Veränderungen zurückzuführen.

Sexuelle Unlust kann aber auch paardynamische Ursachen haben.

Die Verweigerung dient der Machtausübung auf den Partner. Meist ist dieses Verhalten den Betroffenen gar nicht bewusst. Erst in einer Sexualberatung wird ihnen der Zusammenhang bewusst.

Oder die Beziehung ist für einen Partner auf mehreren Ebenen nicht mehr befriedigend. Wenn man den Partner nicht mehr attraktiv findet, dann schwindet auch die Lust, mit ihm Sex zu haben.

 

Mangelnde sexuelle Befriedigung

Dies trifft meist auf Frauen zu. Wenn der Orgasmus immer ausbleibt und man nicht zum Höhepunkt kommt, ist das sehr unbefriedigend und frustrierend. Dazu kommt noch, dass man sich dann gedanklich noch mehr auf den Orgasmus fixiert und so unwillkürlich verkrampft, dabei ist das Loslassen das Wichtigste.

Sexuelle Aversion

Unter sexueller Aversion versteht man die Abneigung gegenüber geschlechtliche Handlungen. Symptome wie Widerwille, Ekel, starkes Schwitzen, Herzrasen, Übelkeit oder Verkrampfung treten meist sofort auf.

Bei einer sexuellen Aversion kann aber durchaus der Wunsch nach Sexualität vorhanden sein.

 

Erregungsstörungen

Erregungsstörungen treten sowohl beim Mann als auch bei der Frau auf. Trotz ausreichender Stimulation der Genitalien kann eine Erregung kaum oder gar nicht erreicht werden, oder sie kann nicht gehalten werden.

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Männer:
Erektionsstörungen
Der Penis wird gar nicht oder unzureichend steif oder die Erregung kann nicht gehalten werden.

Frauen:
Ausbleibende Lubrikations – Schwellreaktion
Die Schamlippen schwellen nicht an und es wird keine Vaginalflüssigkeit gebildet, die als Gleitmittel für den Geschlechtsverkehr nötig ist. Die Scheide bleibt trocken.

 

Organismusstörungen

Der Orgasmus ist der Höhepunkt der Erregungskurve. Beim Orgasmus entlädt sich die sexuelle Erregung anhand von Muskelvibrationen. Während Männer nach einem Orgasmus eine Pause brauchen, können Frauen multiple Orgasmen erleben oder auch nach einem Orgasmus wieder schnell erregt werden. Der Grund hierfür ist, dass die Erregungskurve der Männer nach einem Orgasmus stark abfällt, während die Erregung der Frau sich nur langsam abbaut.

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Männer:
Ejakulationsstörungen:

  • Frühzeitige Ejakulation
  • Verzögerte Ejakukaltion
  • Retrograde Ejakulation (Die Samenflüssigkeit wird von der Harnröhre in die Harnblase geleitet, wo sie abgebaut wird.)
  • Ejakulation ohne Orgasmus (Eine Ejakulation bedeutet nicht unbedingt, dass der Mann einen Orgasmus hatte.)

Frauen:
Liegt bei einer Frau eine Erregungsstörung vor, so ist diese meist mit einer Orgasmusstörung verbunden. Bei einer Frau sollte daher die Diagnose „Orgasmusstörung“ nur gestellt werden, wenn die Erregungskurve normal verläuft und nur der Orgasmus ausbleibt.

 

Schmerzhafte Störungen 

Leider gibt es auch sehr schmerzhafte Störungen, die einen Geschlechtsverkehr erschweren oder gar unmöglich machen.

 Dyspareunie (Frauen) und Algopareunie (Männer)

Eine sexuelle Funktionsstörung – zwei Begriffe.

Bei dieser sexuellen Funktionsstörung werden für Männer und Frauen unterschiedliche Begriffe verwendet, die Störung ist aber die gleiche.

Bei dieser sexuellen Funktionsstörung hat man wiederkehrende oder anhaltende genitale Schmerzen, die in Verbindung mit der genitalen Stimulation oder dem Geschlechtsverkehr stehen.

Diese Beschwerden reichen  von Brennen, Stechen, Ziehen, Juckreiz bis zu einem dumpfen Druckgefühl in den Genitalien.

 

Vaginismus

Beim Vaginismus verkrampft sich die Beckenbodenmuskulatur der Frau unwillkürlich. Ein Geschlechtsverkehr ist somit sehr schmerzhaft oder sogar ausgeschlossen.

 

Sexuelle Funktionsstörungen – Sexualberatung

Nachdem körperliche Ursachen durch ärztliche Untersuchungen ausgeschlossen wurden, sollte eine Sexualberatung oder Therapie in Betracht gezogen werden. Sind die Ursachen Traumata durch Misshandlung oder Missbrauch, so ist meist eine Therapie die richtige Behandlungsform.

Bei allen anderen sexuellen Funktionsstörungen kann eine Beratung schon nach einigen Sitzungen Erfolg zeigen. Wichtig ist, dass man aktiv an der Lösung seines Problems mitarbeitet.

Bei einem Erstgespräch wird das Problem und die momentane Situation analysiert, danach wird gemeinsam am Problem gearbeitet.

 

Ein lustvoll geführtes Sexualleben ist ein wesentlicher Teil unseres Lebens und bestimmt auch unsere Lebensqualität!

 

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